Spanische Elektro-Züge kommen bald nach Dorsten

Bis 2028 sollen die mit Diesel betriebenen Triebzüge durch emissionsfreie Elektro- und Batterie-Züge eines spanischen Herstellers ersetzt werden. Hierzu beschafft der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) 63 batterieelektrische Fahrzeuge (sogenannte BEMU) der Firma CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S.A.). Das spanische Unternehmen wird die Züge nicht nur produzieren und liefern, sondern auch über ihren gesamten Lebenszyklus von rund 30 Jahren instand und verfügbar halten. Dafür hat der Zughersteller CAF das ehemalige Bahnbetriebswerk Bismarck in Gelsenkirchen vom Regionalverband Ruhr (RVR) gekauft. Teile des Areals wie die Drehscheibe und der Ringlokschuppen stehen seit 1991 unter Denkmalschutz. Das Grundstück verfügt über zwei Gleisanschlüsse an das Netz der Deutschen Bahn. Ab 2023 sollen hier am Standort in Gelsenkirchen die modernen, akkubetriebenen Regionaltriebzüge für den Nahverkehr der Region instand gehalten werden.Ringlokschuppen

CAF liefert die Fahrzeuge vom Typ „Civity BEMU“ in zwei Größen: 45 Meter lange Fahrzeuge mit 120 Sitzplätzen sowie 55 Meter lange Fahrzeuge mit 160 Sitzplätzen. Dadurch werden die Kapazitäten auf den Linien der Emschertalbahn (RB 43) zwischen Dorsten und Dortmund und des RE 14 (Nordwestbahn) zwischen Borken/Coesfeld, Dorsten und Essen deutlich ausgeweitet. Das Besondere an den Zügen ist aber der innovative Antrieb. Im Niederrhein-Münsterland-Netz sind gegenwärtig rund 200 Kilometer Gleislänge nicht elektrifiziert. Eine komplette Elektrifizierung des Netzes mit einer Oberleitung ist derzeit nicht geplant. Die neuen CAF-Züge sind klassische elektrische Fahrzeuge, die zusätzlich mit Batterien ausgestattet sind, um die nicht elektrifizierten Streckenabschnitte zu überbrücken.

BahnkarteDort, wo es Oberleitungen gibt (beispielsweise beim RE 14 zwischen Gladbeck und Essen und bei der RB 43 zwischen Gelsenkirchen-Zoo und Herne), entnehmen die Bahnen die Energie aus der Oberleitung und laden auch die Akkus auf. Auf den anderen oberleitungsfreien Teilstücken – und dazu gehören auch alle Gleise in Dorsten – erfolgt dann der Antrieb der Züge durch Strom aus den Batterien an Bord. Am Endpunkt Coesfeld ist darüber hinaus eine Nachladestation geplant.

Umweltfreundlich und modern

Durch die neuen Züge sinken Feinstaub- und Stickoxid-Belastungen und der Lärm wird reduziert. Denn die Elektrotriebwagen sind deutlich leiser unterwegs als Züge mit Dieselantrieb. 24.000 Tonnen CO2 pro Jahr will der VRR einsparen.

Die Züge verfügen über zwei bzw. vier große Einstiegsbereiche, um einen zügigen Fahrgastwechsel zu ermöglichen. Die gepolsterten Sitze sind mit einem großzügigen Abstand zueinander verbaut. Auch die räumlich getrennten Mehrzweckbereiche sind großzügig gestaltet und ermöglichen Passagiere mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder Fahrrad einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg. Klapptische, Steckdosen zum Laden von Laptops, Smartphones oder Tablets sowie ein für Fahrgäste kostenloses WLAN-Netz erleichtern das Arbeiten während der Fahrt.

Für den Einsatz der neuen Fahrzeuge mit alternativer Antriebsform sind noch verschiedene Infrastrukturmaßnahmen erforderlich. Die Stellwerkstechnik wird modernisiert, Bahnsteige verlängert und für einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg erhöht. Der Bahnhof Coesfeld wird voraussichtlich über eine Streckenelektrifizierung bis Dülmen elektrifiziert.

Die Betriebsaufnahme wird auf der Linie RE 14 im Dezember 2026 erfolgen. Im Dezember 2028 folgt die Linie RB 43. Jeweils ab Betriebsaufnahme werden auf den entsprechenden Linien die neuen, klimaschonenden BEMU-Fahrzeugen unterwegs sein.

Schon vor Jahren hatte der VRR zusammen mit dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) versucht, Bahnlinien wie den RE 14 umweltfreundlicher zu gestalten. Doch ein Anlauf, Brennstoffzellenzüge einzusetzen, war 2018 aus wirtschaftlichen Gründen gescheitert.

Der regionale Schienenverkehr wird ausgebaut

Die Landesregierung will den regionalen Schienenverkehr in Nordrhein-Westfalen bis 2040 ausbauen: mit neuen S-Bahnnetzen, fast 100 neuen Bahnstationen, Strecken-Reaktivierungen und Taktverdichtungen. Davon könnten auch die Dorstener Fahrgäste in Zukunft profitieren. So soll 2032 die Strecke des RE 14 zwischen Dorsten und Borken künftig durchgängig mit einem 30-Minuten-Takt bedient werden.

Auch wird eine mögliche Weiterfahrt des RE 14 über Borken hinaus nach Winterswijk angekündigt. Hierzu seien jedoch noch vertiefende Untersuchungen erforderlich. Bereits vor vielen Jahrzehnten war Dorsten durch die Bahnstrecke Winterswijk/Gelsenkirchen-Bismarck mit der holländischen Grenzstadt verbunden. Zudem findet sich in den Plänen die im Dezember 2019 eingestellte direkte Zugverbindung des RB 44 von Dorsten nach Oberhausen wieder.