EU besiegelt Verbrenner-Aus für Neuwagen

Das EU-Parlament hat mit 340 zu 279 Stimmen bei 21 Enthaltungen für eine verschärfte Verordnung für CO₂-Emissionsnormen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge gestimmt. Demnach sind ab 2035 Verbrennungsmotoren verboten. Die CO₂-Flottengrenzwerte der Hersteller sollen bis 2035 auf null sinken. Schädliche Abgase sollen schon vorher weniger werden. Als Zwischenziele wurde eine Verringerung der Emissionen bis 2030 von 55 Prozent für Pkw gegenüber 1990 und 50 Prozent für Lieferwagen gegenüber 2021 beschlossen.

Das „Fit for 55“-Paket, das die EU-Kommission am 14. Juli 2021 vorgelegt hatte, ist die erste Etappe auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die europäische Wirtschaft soll mit dem „European Green Deal“ bis 2050 klimaneutral werden. Nun muss noch der EU-Rat formell zustimmen, bevor die Verordnung in Kraft gehen kann.

Der Straßenverkehr trägt mit über 20 Prozent der Gesamtemissionen wesentlich zu den Emissionen in Europa bei, heißt es zur Begründung der neuen CO₂-Emissionsvorgaben. Auf Pkw und leichte Nutzfahrzeuge entfallen mehr als 70 Prozent der Emissionen im Straßenverkehr. Während die Emissionen in anderen Sektoren zurückgehen, nehmen die Emissionen des Verkehrssektors weiter zu. Außerdem eröffne sie neue Chancen für Beschäftigte und bringe Herstellern Investitionssicherheit. Zudem würde es Europa unabhängiger machen von fossilen Brennstoffen aus Drittländern.

Der Beschluss zum Verbrennungsmotor soll die Produktion von klimafreundlichen Fahrzeugen ankurbeln. Europas Fahrzeughersteller haben das längst erkannt, allerdings auch die Wettbewerber im Rest der Welt. China zum Beispiel werde bis Ende des Jahres 80 E-Automodelle auf den internationalen Markt bringen. Um diese Schlüsselindustrie nicht anderen zu überlassen, müsse investiert werden, um Europas Autoindustrie so zu verändern, dass sie Elektroautos für den weltweiten Markt baut.

Ein weiterer Schritt zur Klimaneutralität ist die neue Euro-7-Abgasnorm für die immer noch marktbeherrschenden Verbrenner. Sie soll 2025 in Kraft treten.

Lastkraftwagen sollen erst ab 2040 schadstoffarm werden

Neben Pkw und leichteren Nutzfahrzeugen will die EU künftig auch den CO2-Ausstoß von schweren Nutzfahrzeugen verringern. Die EU-Kommission schlug am Dienstag vor, dass neue Stadtbusse ab 2030 keine Abgase mehr ausstoßen sollen. Bei Lkw will Brüssel bis 2040 warten; der CO2-Ausstoß soll bis dahin um 90 Prozent im Vergleich zu 2019 reduziert werden. So könne auch die Luftqualität in den Städten verbessert werden. Als Zwischenziel soll der CO2-Ausstoß ab 2030 bereits um 45 Prozent verringert werden. Ausgenommen seien etwa Kranken-, Feuerwehrwagen und Fahrzeuge der Landwirtschaft.

Nach aktuellem Stand der Technik lässt sich diese Vorgabe nur mit Elektro- oder Brennstoffzellen-Fahrzeugen mit Wasserstoff einhalten. Dessen Erzeugung soll in den nächsten Jahren stark gefördert werden. Experten gehen allerdings davon aus, dass Wasserstoff vor allem in der Industrie eingesetzt werden dürfte.

Hintertür für E-Fuels

Das Verbot soll auch für Neuwagen gelten, die mit sogenannten E-Fuels oder Biokraftstoffen betrieben werden. Die EU-Kommission soll im Jahr 2027 die Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität überprüfen und feststellen, ob die Vorschriften überarbeitet werden müssen. Dabei soll sie die technologischen Entwicklungen ebenso berücksichtigen wie die Bedeutung eines tragfähigen und sozial gerechten Übergangs zur Emissionsfreiheit.

Zudem wird die Kommission auf Drängen der Bundesregierung insbesondere der FDP auch um einen Vorschlag gebeten, wie Autos mit Verbrennungsmotor, die ausschließlich mit CO2-neutralem Treibstoff (E-Fuels) betrieben werden, zugelassen werden könnten – aber nur außerhalb des Flottenstandards. E-Fuels könnten ab 2035 also nur noch in Neufahrzeugen von Herstellern eingesetzt werden, die pro Jahr in Kleinserie weniger als 1000 Autos produzieren, oder in Sonderfahrzeugen wie Feuerwehr- oder Krankenwagen. Da E-Fuels aber ineffizient sind und teurer sein werden, sehen Experten in ihnen keine Zukunft.

Was ist mit Gebrauchtwagen?

Die Neuregelung zum Klimaschutz gilt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, die ab 2035 zugelassen werden. Wer also 2034 noch einen neuen Benziner oder Diesel anmeldet, kann ihn weiterhin und, nach absehbarer Rechtslage, unbegrenzt lange fahren. Allerdings dürfte der Wiederverkaufswert solcher Autos rasch sinken.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass Pkw im Durchschnitt rund 15 Jahre lang auf europäischen Straßen unterwegs sind. Die letzten Verbrenner fahren also etwa bis 2050 – dem Jahr, ab dem laut einem EU-Gesetz Europa klimaneutral sein soll.

Das Verbot bezieht sich auch nur auf Neuzulassungen in der EU. Mindestens für den Export könnte die Autoindustrie also weiter Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor herstellen. Die Autobauer werden sich aber sehr schnell auf den Absatz von E-Autos konzentrieren.

Bestandsfahrzeuge sind von den neuen EU-Vorgaben nicht betroffen. Allerdings könnten in städtischen Regionen strengere Schadstoffrichtlinien zur Luftreinhaltung dazu führen, dass ältere Autos von zonalen oder streckenbezogenen Fahrverboten betroffen sind. Dies wird die Nachfrage nach älteren Verbrennern, insbesondere nach Dieselfahrzeugen der Euro-Normen 4 und 5, senken.

ADAC: „Elektromobilität erfolgreich umsetzen“

Der ADAC begrüßt die Einigung auf die neuen Flottenziele. Sinkende CO₂-Grenzwerte tragen zum Klimaschutz bei, senken den fossilen Kraftstoffverbrauch und damit die Betriebskosten fürs Auto. Und auch der Plan der EU, den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs für die Berechnung der Klimafolgen transparent zu machen, trifft beim ADAC auf Zustimmung.

Damit die Elektromobilität zum Erfolg wird, muss jetzt die Versorgung mit erneuerbarem Strom gesichert, die Stromverteilnetze und die Ladeinfrastruktur müssen auf die wachsende Nachfrage vorbereitet werden. Und mindestens ebenso wichtig: E-Fahrzeuge für Verbraucher müssen bezahlbar sein, auch im Kleinst- und Kleinwagensegment sollten günstige Pkw verfügbar sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass E-Mobilität für alle erschwinglich ist.